Category: Programming

 

Wie ist es möglich, die Absurdität der Teilung Berlins mitzuteilen? Können Bilder und Texte in einer zunehmend von Informationen überfluteten Welt diese schwierige Leistung erbringen?

 

Das müssen sie nicht alleine, denn unsere moderne Welt bietet die Möglichkeit, das Erleben und das Gefühl der Authentizität zu intensivieren. Mit der Technik der Erweiterten Realität (Augmented Reality) stehen uns Werkzeuge zur Verfügung, welche es ermöglichen kulturelle Daten in neuem Licht erfahrbar zu machen. Sei es für Besucher Berlins aus fernen Kulturkreisen, Menschen aus jüngeren Generationen oder schlicht Berliner, die sich erinnern wollen.

Damit dies einer breiten Masse an Menschen einfach, ohne Umwege, über den Besuch eines Museums oder Gedenkstätte zugänglich wird, bietet es sich an, das Smartphone zu einer Zeitmaschine umzufunktionieren. Dafür haben wir uns grundsätzlich drei Technologien nutzbar gemacht:

  1. Zum einen verwenden wir eine GPS Lokalisierung, die unseren eigenen Standort bestimmt sowie auf die Positionsdaten des früheren Verlaufs der Berliner Mauer zugreifen kann. Diese großskalige Ortung ermöglicht uns Apple Core Location, die neben der Position ebenfalls die aktuelle Blickrichtung bestimmen vermag. Hier haben wir die Metadaten der Stiftung Berliner Mauer genutzt, die die Positionen der Fotos mit zur Verfügung stellen. Wenn man sich nun in der Nähe der ehemaligen Mauer befindet, lassen sich die Fotos entsprechend automatisiert platzieren.

 

  1. Mit der zweiten Technologie ist es uns möglich sehr feine und exakte Lokalisierungen durchzuführen. Das ARKit von Apple scannt mit der Kamera die Umgebung und findet u.a. heraus wie man sich gerade bewegt und wo sich der Boden befindet. Dadurch bekommt man die Illusion, dass wahrhaft Objekte in die Realität positioniert werden. In unserem Fall die Berliner Mauer, wo sie früher stand sowie die Fotos in unmittelbarer Umgebung an den Stellen, an denen sie einst entstanden sind. Somit wird das zuvor noch nie dagewesene Erlebnis wahr, die Berliner Mauer digital am Originalort vor sich zu erblicken, dazu das Foto im Raum platziert, um einen Eindruck einer längst vergangenen Zeit zu bekommen. Mit einem Klick auf das Foto erscheint der Erklärungstext der Stiftung Berliner Mauer im 3D Raum und ergänzt die Erfahrung durch Hintergrundwissen.

 

  1. Mit einer dritten Technologie haben wir die Daten auf einem Cloud-Service hinterlegt. Google Firebase ermöglicht es, zum einen positionsabhängig dynamisch Daten auf das Smartphone zu laden. In unserem Fall je nach Ort, den man in Berlin besucht. Zum anderen ist es mit Firebase sehr einfach das Datenangebot an Fotos und Texten zu erweitern. Dadurch ermöglichen wir es Zeitzeugen ihre Fotos und Erfahrungen im Rahmen von Open Data frei zur Verfügung zu stellen.

 

Die Metadaten, bereitgestellt durch die Stiftung Berliner Mauer als CSV-Datei, werden von uns direkt mit in den Bilder gespeichert. Neben den GPS-Daten sind auch Tags, Bildbeschreibung und -titel unter standardisierten EXIF-Tags hinterlegt. Diese lassen sich Programm-Bibliotheken leicht wieder auslesen. Und man hat nun nur noch eine Quelle (das Bild) zu pflegen und nicht viele getrennte Quellen. Diese Fotos eignen sich damit, auch auf z.B. WikiData hochgeladen zu werden.

 

Und aus der CSV erzeugen wir außerdem eine GeoJSON-Datei (ein weiterer Standard), der ebenfalls neben den Koordinaten auch die Metadaten enthält und von vielen Viewern und Bibliotheken unterstützt wird und damit als Navigationshilfe auf einer Karte darstellbar ist.

 

Unser Team hat in dem Zeitraum viele faszinierende Ideen gesammelt und detailliert geplant. Die Zusammenarbeit war sowohl zwischenmenschlich als auch technisch sehr erweiternd, motivierend und harmonisch. Da nicht alle Ideen umgesetzt werden konnten, es aber eine gute Truppe ist, ist es sicher, dass das Projekt weitergeführt wird.